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Ergründe deine Weisheit

Ergründe deine Weisheit. Erforsche deine Gehirngänge. die Transmitter, die Neuronen, wie sie deine stupiden Geistesblitze durch deinen Kopf jagen. Erinnere dich an dich. an die Zeit, als das Fernsehen dein Denkzentrum noch nicht vollständig eliminiert hatte. Erinnere dich an die Zeit, als da nur ein toter schwarzer Kasten stand und deine Augen leuchtend die Umgebung erforschten. Die Farben. Die Stimmen. Die Menschen. Streng deine lahm gelegten Hirnwindungen an, krieche in deine tiefsten, die innersten noch nicht ergrauten Zellen und finde das Kind in dir wieder. Du warst sieben. Deine kleinen Finger haben Legosteine übereinander gesetzt, so wie jetzt das Kind auf dem Bildschirm. Deine Sehorgane haben die Farben gespürt, deine Haut die Kanten. Wissensgeil bist du durch die Wälder gestreift, deine Kleidung zerrissen, deine kleinen Hände verdreckt. Wissenshungrig hast du alles aufgesaugt, mit den sauberen Ohren, den blauen Augen, der freien Nase. Der Geruch des Waldes! Erinnerst du dich an das Lichtspiel des Sonnensterns in den grünen Baumkronen? Den zärtlichen flüsternden Wind? Taub und blind hat dich die maßlose Medienüberflutung werden lassen. Ignorant für die Welt. Wie paradox, dass du bei der WorldVision-Werbung jedes Mal denkst, du solltest spenden. Lethargisch stopfst du Chips in deinen Fressmund hinein, zum Reden brauchst du ihn nicht mehr. Die Krümel verteilen sich über deiner klebrigen Jogginghose, die Tüte raschelt, doch deine verdreckten Gehörgänge verstehen nur noch Surroundsound. Die Werbung erklärt dir, dass du abnehmen solltest. Die Werbung zeigt dir, wie du dein Bad zu putzen hast. Die Werbung erklärt dir die Welt. Deine fette Hand tastet nach der Fernbedienung, die nicht auffindbar ist. Deine seelenlosen Augen erforschen deinen Sofahorizont. Panik frisst sich durch deine verkalkten Adern, deinen von Metastasen zerfressenen Körper bis hin zu deinem verfetteten Herzen: Ein Stich. So viel Action verträgt dein kranker Körper nicht. Zitternde Hände, suchende Sehorgane. Dein dicker Arsch erhebt sich, um unter dem Sofa nachzusehen. Staub, Pizzareste, die Beweise deiner Existenz umgeben das wichtige Gerät. Deine Stummelfinger greifen danach, dein Asthma macht sich bemerkbar. Eine Anstrengung! Die Batterien sind aus ihrem Grab heraus gefallen. Unauffindbare Energiespender. Dein fetter Körper versinkt im Sofamund, geräuschvoll untermalt von dem Zerbröseln der Chipsreste. Die flimmernden Bilder in der Röhre verursachen bei dir einen epileptischen Anfall. Zuckende Bewegungen, du beißt deine spröden Lippen auf. Dein matschiges Hirn kann keine weiteren Schäden mehr aufnehmen. Verkrampft und müde liegt deine krüppelige Körperhülle da. Blut läuft über dein dreckiges Gesicht. Ergründe deine Weisheit!

Jule
22.9.09 20:11


Irgendwo

Die Tür schlug zu. Sie war allein im Zimmer. Draußen war das Rascheln von Papier zu hören, dann das Schließen der Haustür. Doch das machte keinen Unterschied mehr. Es machte keinen Unterschied ob Menschen im Haus waren, ob sie bei ihnen am Tisch saß oder sich hinter geschlossener Tür in ihrem Bett verkroch. Sie war alleine. Einsam. Einen Moment saß sie mit dem Rücken an die Tür gelehnt, die Knie herangezogen, einfach nur da. Wartete. Dann kam es. Es kam, um sie zu bestrafen, zu quälen, um das kleine Glücksgefühl, das der Tag ihr wenige Stunden zuvor noch versprochen hatte wieder wertlos zu machen. Ihr Widerstand löste sich schnell unter schwindendem Willen auf. Mit tränenblinden Augen und nervösen Fingern kramte sie in der Schrankschublade, doch es war nicht da. Die nächste hektische Schublade. Tränen tropften auf das Schrankholz. Eine weitere Enttäuschung. „Ich hasse dich!“, schrie sie einen unsichtbaren Gast an, zitternd am ganzen Körper. Orientierungslos stand sie ein paar Sekunden im Zimmer. „Warum, warum tust du mir das an?“, sie ließ sich auf den Boden fallen. Ihr kleiner Körper zitterte heftig unter den Schluchzern, der ganze Körper schien wie ein Bogen gespannt zu sein.
Es war bereits morgen, als sie aufwachte. Ihr erster Blick fiel auf ihre Arme. Die waren leer. Im Spiegel blickten ihr zwei verheulte Augen verunsichert entgegen. Sie seufzte.

Jule
22.9.09 19:55


M.V.

Die Tiefe deiner Liebe wird es ihres Gleichen niemals geben.
Umso stärker wird die deine ewigs leben.

Für immer,

- mimi -
30.8.09 03:36


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