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Ich mag keine Kinder

Eigentlich bin ich ein ziemliches Ekel. Ich rülpse, wenn es mir recht ist, ich ficke, wenn ich genug betrunken bin, ich rauche, wenn ich nicht gerade tot bin, und ich hab ein Bauch, so fett, dass alte, verrostete Erwachsene, während ich meine vor-dem-in-Zug-einsteigen-Zigarette rauche, ihre Hübschgesichter entsetzt an die Fensterscheibe pressen und meinen Homer Konkurrenz machenden Ranzen und meine Handbewegungen, die den mich rettenden Glimmstängel zwischen meinen Fingern allsekündlich zu meinem Mund führen, angaffen. Nein, ich bin nicht schwanger, Volltöpfe!

Gestern Abend, nachdem ich den Muttertag fressend in der Bar meiner grossen Schwester verbracht hab (die ernüchternden Gründe dafür lass ich getrost aus), auf dem Weg zum Bahnhof, tobte eine halbe Horde fresher Kinder auf der Strasse. Ich, meinen ganzen Lebensdreck mitschleppend und ausstrahlend, siehe Visage und Gangart, hatte nicht den Mut, bei diesen Minis vorbeizugehen. Die Strasse hatte ich halb passiert, doch als ich sie sah, diese noch-nicht-Ekel-aber-bald, machte ich kehrt und nahm den 500 Meter längeren Weg. Doch das war es mir wert. Oh ja. Man stelle sich vor, was meine verdorbenen, Teer vergewaltigten Energien bei den Jungens für Auswirkungen hätten. In deren unverseuchten, von Prinzessinnen regierten Welt darf ich nicht eintreten. Denn eine gute Sache hab ich mir für das Leben in dieser wundervollen Welt vorgenommen: Beitragen zur Weiterentwicklung des Menschen Grausamkeiten werde ich nicht!

- mimi -
11.5.09 20:46


Eingeschränkt

Der Tag hat meinen Lebenswillen gefressen, ich noch gar nichts heute. Meine Füße schlurfen über den Gang im Zug, meine Augen suchen einen freien Platz. Ich werde fündig, lasse meine Tasche auf den freien Platz neben mir sinken, starre aus dem Fenster in die nahende Dunkelheit und möchte in der Melancholie versinken, in die mich die letzten Tagesstunden gestürzt hat. Doch mein Vorhaben wird bald gnadenlos von einem Mädel unterbrochen, das geistig zurückgeblieben zu sein scheint. Ich hole meine Fantaflasche aus der Tasche, die jetzt auf dem Boden steht, beim Aufschrauben bemerke ich, dass das Mädchen herübersieht. Ich trinke. Schraube wieder zu. Immer noch. Ich beschließe an meinem Croissant zu knabbern, auch jetzt jede Bewegung von der Tütte zum Mund und zurück. Ich seufze. Croissant in die Tasche. Starre ich weiter aus dem Fenster, meine Ohren werden gnadenlos von Skillet hingerichtet. Als ich mich im Zug umsehe, schaut mich meine Sitznachbarin schon wieder oder immer noch an. Die Fahrtkarten werden kontrolliert, mein Verdacht über ihren geistigen Stand bestätigt sich. Meine Strumpfhose ist verrutscht, auch diese Bewegung protokollieren ihre Augen. Gleich werde ich wahnsinnig! Das will ich auch ungenannter Person mitteilen, was das Mädel mitlesen möchte. Ich drehe des Handy weg und tippe. Das Teil liegt auf meinem Schoß und wartet auf ein „gesendet“, sie schaut mein Telefon immer noch an. So geht es weitere dreißig Minuten, bis sie endlich aussteigt. Jetzt ist mir langweilig.
11.5.09 22:10


Unterschätzt

Sabberndes Irgendwas von der Seite: „Ist da Pfand…“ Ich will einfach nur aus dem Zug raus, die Leute vor mir auch. „Fräulein?“ Ein Blick in die Richtung der betrunkenen Stimme. Wie erwartet ein Heruntergekommener. In meinem schönsten Englisch antworte ich ihm: „Sorry!“ Doch er schweigt nicht wie erwartet vom Unverständnis getroffen, sondern erklärt mir in seinem schönsten Englisch, dass er ja „a little bit“ kann. Damit habe ich jetzt nicht gerechnet. Ich drehe mich etwas weg und bin erleichtert, als es weiter Richtung Ausgang geht.
11.5.09 22:22


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