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Bahngeschichten

Unterschätzt

Sabberndes Irgendwas von der Seite: „Ist da Pfand…“ Ich will einfach nur aus dem Zug raus, die Leute vor mir auch. „Fräulein?“ Ein Blick in die Richtung der betrunkenen Stimme. Wie erwartet ein Heruntergekommener. In meinem schönsten Englisch antworte ich ihm: „Sorry!“ Doch er schweigt nicht wie erwartet vom Unverständnis getroffen, sondern erklärt mir in seinem schönsten Englisch, dass er ja „a little bit“ kann. Damit habe ich jetzt nicht gerechnet. Ich drehe mich etwas weg und bin erleichtert, als es weiter Richtung Ausgang geht.
11.5.09 22:22


Eingeschränkt

Der Tag hat meinen Lebenswillen gefressen, ich noch gar nichts heute. Meine Füße schlurfen über den Gang im Zug, meine Augen suchen einen freien Platz. Ich werde fündig, lasse meine Tasche auf den freien Platz neben mir sinken, starre aus dem Fenster in die nahende Dunkelheit und möchte in der Melancholie versinken, in die mich die letzten Tagesstunden gestürzt hat. Doch mein Vorhaben wird bald gnadenlos von einem Mädel unterbrochen, das geistig zurückgeblieben zu sein scheint. Ich hole meine Fantaflasche aus der Tasche, die jetzt auf dem Boden steht, beim Aufschrauben bemerke ich, dass das Mädchen herübersieht. Ich trinke. Schraube wieder zu. Immer noch. Ich beschließe an meinem Croissant zu knabbern, auch jetzt jede Bewegung von der Tütte zum Mund und zurück. Ich seufze. Croissant in die Tasche. Starre ich weiter aus dem Fenster, meine Ohren werden gnadenlos von Skillet hingerichtet. Als ich mich im Zug umsehe, schaut mich meine Sitznachbarin schon wieder oder immer noch an. Die Fahrtkarten werden kontrolliert, mein Verdacht über ihren geistigen Stand bestätigt sich. Meine Strumpfhose ist verrutscht, auch diese Bewegung protokollieren ihre Augen. Gleich werde ich wahnsinnig! Das will ich auch ungenannter Person mitteilen, was das Mädel mitlesen möchte. Ich drehe des Handy weg und tippe. Das Teil liegt auf meinem Schoß und wartet auf ein „gesendet“, sie schaut mein Telefon immer noch an. So geht es weitere dreißig Minuten, bis sie endlich aussteigt. Jetzt ist mir langweilig.
11.5.09 22:10





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